Titus Simon (2008): Der Tote von Can Victor. Sich Verlag, Magdeburg

Rezension:

In Titus Simons katalonischem Kriminalroman erlebt der Leser nicht nur hautnah mit, wie ein Mord begangen, sondern auch wie dieser wieder aufgeklärt wird. Dabei macht er immer neue Entdeckungen und versucht der äußerst dünnen Fährte, die gelegt worden ist, zu folgen. Inmitten des sonnigen Spaniens wird auf einem alten Gut ein 87zig jähriger Mann ermordet und in eine 3 Meter tiefe Weinzisterne gestoßen, wo er einen qualvollen Tod erleidet. Als nun die Deutschen, denen das Gut gehört, dort eintreffen, entdecken sie die Leiche. Ein ehemaliger deutscher Polizist, der dort eigentlich renovieren sollte, arbeitet gleich mit dem spanischen Ermittler zusammen und beide setzen alles daran den Fall aufzuklären. Dazu müssen sie jedoch auch in die Vergangenheit zurückblicken, um den richtigen Spuren zu folgen.
Hier verknüpft Simon die Gegenwart mit sehr interessanten Vorgängen und detailreichen Erlebnissen einzelner Charaktere aus dem spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch verliert er dabei die eigentliche Mordgeschichte nie aus den Augen, sondern er kreiert eine spannende Vernetzung dieser Ereignisse mit dem Ermittlungsgeschehen und Tathergang.
Der Autor schafft es auf bemerkenswerte Weise, dass man als Leser sowohl mit dem Opfer, aber noch mehr mit dem Täter sympathisieren möchte, was einige Widersprüchlichkeiten zur Folge hat, denen man sich als Leser besonders am Ende des Buches gegenüber gestellt sieht. Aus diesem Grund ist man als Rezipient dazu gezwungen, sich auch im Nachhinein mit dem Roman zu beschäftigen, da man als erstes seine Gedanken und Gefühle, die unweigerlich durcheinander geraten sind, wieder ordnen muss. Besonders bemerkenswert ist das doch überraschende Ende gestaltet, da man als Leser den Eindruck bekommt, nun alles erfahren zu haben, bis man sogleich wieder vor neue Fragen gestellt wird.
Dieser sehr spannende und anspruchsvolle Roman ist nicht nur für Geschichtsinteressierte geeignet, sondern auch für Leser, die eine Freude an der Aufklärung kriminalistischer Fälle haben. 

Katja Müller (23.03.2009)